Interview: Lichtgestaltung mit der Organic Light Emitting Diode (OLED)

Typography

Während die Umstellung klassischer Leuchtmittel auf die hocheffektive LED Technik in vollem Gang ist, kündigt sich bereits die nächste Licht-Revolution an: Die OLED, mit vollen Namen als »Organic Light Emitting Diode« bekannt, eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Lichtgestaltung.

Organic Light Emitting Diode (OLED)

Während die Umstellung klassischer Leuchtmittel auf die hocheffektive LED Technik in vollem Gang ist, kündigt sich bereits die nächste Licht-Revolution an: Die OLED, mit vollen Namen als »Organic Light Emitting Diode« bekannt, eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Lichtgestaltung. Organische LED sind hochwertige, blendungsfreie Flächenlichtquellen. Diese Leuchtmodule erzeugen Licht ohne Hitzeentwicklung und sparen Energie. Zudem gelten sie als sehr umweltfreundlich.

OLED Module sind extrem dünn. Ihre aktiven Schichten besitzen eine Gesamtdicke von weniger als 500 Nanometer (nm). Das ist 100-mal dünner als ein menschliches Haar. Die organischen Licht–emittierende Dioden bieten eine gute Farbqualität und emittieren sofort nach dem Anschalten die volle Lichtleistung ohne Aufwärmphase. Sie sind in vielen Lichtfarben erhältlich.

Im Gegensatz zu traditionellen Lichtquellen gehören OLED-Panels zu den kalten Beleuchtungsquellen und werden nicht heiß. Daher können sie beispielsweise direkt auf Holz, etwa beim Einsatz in Möbeln, verwendet werden. Sperrige Kühlkörper werden nicht gebraucht.

Wir sprachen mit Dr. Ulrich Eisele über die Vor- und Nachteile der OLED-Technologie. Der 37-jährige Lichtspezialist studierte Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. Seit 2011 leitet er das OLED-Segment von Osram.

Organic Light Emitting Diode (OLED)

INTERVIEW

Rolf Mauer: Herr Eisele, die Möglichkeiten der LED Technik revolutioniert zurzeit die ganze Lichtindustrie. Osram bezeichnet die OLED Technologie als »Revolution des Leuchtkörpers«. Was meinen Sie damit?

Dr. Ulrich Eisele studierte Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. Seit 2011 leitet er das OLED-Segment von Osram.Ulrich Eisele: Der große Unterschied zwischen OLED und anderen Technologien ist, dass die organische, Licht–emittierende Diode eine Flächenlicht- und nicht wie herkömmliche Technologien eine Punktlichtquelle ist. Wenn man sich z.B. eine LED anschaut, leuchtet dort ein kleiner, sehr heller Punkt. Bei der OLED ist das anders. Die OLED ist eine Lichtquelle mit einer großen Leuchtfläche. Da sich die Lichtemmision homogen über diese Fläche verteilt, wird keine Blendung verursacht. Das ist der auffälligste Unterschied zwischen den beiden Technologien. Man kann darüber diskutieren, ob das jetzt eine lichttechnische Revolution ist. Auf jeden Fall können OLED-Leuchten anders aussehen und dadurch auch neue Installationsplätze erobern.

Rolf Mauer: Wie wichtig ist die weitere Entwicklung von OLED für Osram?

Ulrich Eisele: OLED ist für uns natürlich wichtig, schließlich ist Osram eine der führenden Licht-Marken.

Rolf Mauer: Die OLED Technologie ist zwar seit Jahren in aller Munde, aber über einzelne kleine Projekte noch nicht hinausgekommen. Wie ist der aktuelle Stand der Technik? Welche Vorteile haben OLED-Leuchten?

Ulrich Eisele: Da muss man etwas differenzieren. Sie haben sicher Recht, wenn Sie sagen, dass die OLED bisher eher kleinere Nischen besetzt. Es gibt einige kleinere Leuchten-Hersteller die bereits Produkte für Endanwender anbieten. Wenn ein Architekt ein Gebäude lichttechnisch ausstatten möchte, findet er bereits heute OLED-Produkte die in Serie gefertigt werden. Es ist sicherlich noch so, das das Preis/Performance Verhältnis der OLED im Vergleich mit der Schwestertechnologie LED hinterher hinkt. Aber die Aufholgeschwindigkeit stimmt.

Um das zu veranschaulichen: Wir haben zur Light&Building bereits die dritte Generation der OLED auf den Markt gebracht. Diese Generation leistet 65 Lumen pro Watt bei einer Leuchtdichte von 3.000 cd/qm bei einer Nutzlebensdauer LT 70* von 15.000 Stunden. Vor zwei Jahren hatten wir noch eine Generation mit 40 Lumen pro Watt bei 2.000 cd/qm und 10.000 Stunden Lebensdauer. Daraus können Sie sehen, dass die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung hoch ist. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die OLEDs Ende des Jahrzehnts 140 Lumen pro Watt erreichen können, bei einer Lebensdauer von über 40.000 Stunden. Die OLED würde dann in einer Liga mit der LED spielen.

Organic Light Emitting Diode (OLED)

Rolf Mauer: Welche Einsatzszenarien erwarten Sie für die OLED?

Ulrich Eisele: Wir denken, dass die erste Massenapplikation im Auto zu finden sein wird, analog zur Erfolgsgeschichte der LED, die ja auch zuerst im Auto eingebaut wurde, bevor sie in die Haus- und Büro-Beleuchtung Einzug fand. Die beste Analogie bieten die Rücklichter im Automobil. Als dort die LED zum ersten Mal eingesetzt wurde, kam das beim Kunden sehr gut an, weil viele sich an der neuen Technologie begeisterten. Die neue Technologie LED war sofort eine sichtbare Differenzierung zu klassischen Beleuchtungen. Zusammen mit dem Xenon Licht wurde ein Bundle als Zubehör angeboten, das sehr erfolgreich war.

Hier sehen wir eine Analogie zur OLED. Wir sind der Meinung, dass die Rückleuchte die erste Massen-Anwendung der OLED sein wird. Wir sind zuversichtlich, dass ab 2016 die ersten Fahrzeuge mit OLED-Rückleuchten ausgestattet werden.

Rolf Mauer: Mit flächig emittiertem Licht hat der Mensch keinerlei Erfahrung. Wie wird die OLED das Sehen beeinflussen?

Ulrich Eisele: Das ist noch eine offene Frage. Es gibt hierzu unterschiedliche Meinungen. Natürlich ist flächiges Licht in der Natur nicht sehr häufig anzutreffen, zumindest nicht in Reinform. Es gibt als Problematik zum Beispiel eine Reduktion von Schatten. Wenn sie bei Tageslicht in ein Gesicht sehen, sind immer auch Schatten zu sehen. Wenn sie flächiges Licht haben, verschwinden diese Schatten und damit wohl auch die Konturen. Lichtplaner sehen hier allerdings kein Problem.

Wenn ich heute eine Leuchtstofflampe mit einem Reflektor an der Decke habe ist das keine Punkt-Lichtquelle, sondern näherungsweise bereits ein Flächenlicht. In den heutigen Wahrnehmungswelten ist flächiges Licht gar nicht so selten. Auch bei der indirekten Beleuchtung sehen Sie flächiges Licht. Man hat zu diesem Thema viele Versuche gemacht und festgestellt, dass Menschen flächiges Licht nicht als unangenehm empfinden.

Rolf Mauer: Wir werden also durch die OLED neue Seherfahrungen gewinnen?

Ulrich Eisele: Absolut. Das wird eine Lernkurve sein, die wir uns gemeinsam erarbeiten müssen.

Rolf Mauer: Bisher war es so, dass die Leuchte das Leuchtmittel umschlossen hat. Bei der OLED kann man davon ausgehen, dass das Leuchtmittel auch gleichzeitig die Leuchte ist. Hier werden sehr kreative Produkte zu erwarten sein. Welche Beleuchtungsprojekte oder – produkte gibt es bereits?

Ulrich Eisele: Wir haben heute drei Standardformen an Produkten, die sie auch sofort kaufen können. Das sind eine runde, eine rechteckige und eine quadratische OLED. Diese können Sie direkt aus unserem Katalog bestellen. Wir können aber bereits heute freie Formen herstellen. Der Kreativität sind also kaum Grenzen gesetzt. Sie haben recht: Tatsächlich ist es so, dass die OLED gleichzeitig Leuchte und Lampe (Leuchtmittel) sein kann.

Rolf Mauer: Architekten, Leuchten-Hersteller und Lichtdesigner werden sich in diese Technik erst hinein denken müssen um alle Möglichkeiten der OLED auszunutzen. Darf man erwarten, dass die kreative Entwicklung bei der OLED größer sein wird als bei der LED?

Ulrich Eisele: Davon kann man ausgehen. Die Möglichkeiten der 3-D Formbarkeit wird die OLED zu einem sehr spannenden Leuchtmittel machen, zumal wenn diese nicht mehr von einem Glaskörper umschlossen sein muss.

Rolf Mauer: Ich muss also die OLED noch mit Glas umhüllen, weil sie gegen Umwelteinflüsse empfindlich ist?

Ulrich Eisele: Führende OLED Unternehmen bauen derzeit die OLEDs wie folgt auf, die eine Seite besteht aus Glas, die andere Seite wird mit der sogenannten Dünnfilmverkapselung gegen Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit geschützt. Das ist ein echtes High-Tech-Verfahren. Dabei werden ultradünne Barriere Schichten auf die OLED aufgebracht, die die Langzeitstabilität der OLED deutlich verbessern.

Bei flexiblen OLED wird kein Glas benutzt, da die OLED ja ansonsten nicht biegbar wäre. Die Herausforderung besteht darin, bei entsprechender Materialwahl die gleiche Schutzwirkung wie bei Glas zu erzielen, auch wenn durch die Biegung zusätzlicher mechanischer Stress entsteht. Das ist auch der Grund, warum die starren OLEDs von der Lebensdauer her den flexiblen OLEDs noch voraus sind. Allerdings forscht OSRAM intensiv an der Verbesserung der flexiblen OLEDs.

Rolf Mauer: Wie Nachhaltigkeit ist die Technik im Hinblick auf die Entsorgung und den Einsatz umweltschädigender Baustoffe?

Ulrich Eisele: Die OLED ist eine sehr nachhaltige Technologie, da sie zu 99,99 Prozent aus Glas besteht. Dazu kommen noch wenige Bestandteile aus der organischen Chemie, die unbedenklich sind. Wir gehen davon aus, dass die OLED als einfacher Glas Müll entsorgt werden kann.

Rolf Mauer: Wenn sich Architekten oder Lichtplaner für den Einsatz der OLED Technologie in Pilotprojekten interessieren, an wen können sie sich wenden?

Ulrich Eisele: Wir haben eine Vertriebsmannschaft, die unter folgender E-Mail Adresse erreichbar ist: Steven Rossbach, Leiter des GI Marketing/Vertriebes, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.">Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

  

* Erläuterung LT70: Um die Angaben zur Lebensdauer zu vereinheitlichen, wird mit einer »Resthelligkeit« von 70 Prozent der Anfangshelligkeit gerechnet

Organic Light Emitting Diode (OLED)

Bilder: Osram

BLOG COMMENTS POWERED BY DISQUS